Umgang mit Suizidalität oder warum der Mensch des Menschen beste Medizin ist
Das Thema Suizidalität stellt in der Gesellschaft immer noch ein Tabu dar, und auch für professionelle Helfer ist der Umgang mit Menschen in suizidalen Krisen eine Herausforderung. Hintergründe und Antworten auf verschiedene Fragen rund um das Thema Suizidalität erhielten die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des DRK Wiesloch in der Fortbildungsveranstaltung in der vergangenen Woche.

Dank der guten Kooperation zwischen dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) und dem Deutschen Roten Kreuz war es gelungen, Herrn Thomas Funk als ärztlichen Referenten aus dem hiesigen Krankenhaus zu gewinnen. Als größtes psychiatrisches Fachkrankenhaus in Baden-Württemberg führt das PZN unter anderem auch zahlreiche Kriseninterventionsbehandlungen bei suizidalen Menschen durch.
Erfreulicherweise ist die Zahl der Suizide in Deutschland in den letzten 30 Jahren stetig gesunken, was vor allem auf die kontinuierlich verbesserte psychiatrische Versorgung der Bevölkerung und die Aufklärung und Enttabuisierung des Themas in der Öffentlichkeit zurückzuführen ist. Trotzdem sterben in Deutschland pro Jahr noch immer rund 10.000 Menschen durch Suizid und damit doppelt so viele wie im Straßenverkehr. Im Vergleich zu den vollendeten Suiziden dürfte die Zahl der versuchten Suizide 10-20mal höher liegen, also bei ca. 100.000 bis 200.000 Suizidversuchen pro Jahr.
Gerade im Rettungsdienst, Sanitätsdienst oder der psychosozialen Notfallversorgung  werden die Helfer immer wieder direkt oder indirekt mit dem Thema Suizidalität konfrontiert. Herr Funk erläuterte in seinem Vortrag die psychischen Hintergründe des Phänomens und betonte, wie wichtig sachkundige menschliche Helfer sind, die in suizidalen Krisen vor allem eine schützende, entlastende und unterstützende Rolle für die Betroffenen übernehmen. Die Haltung der Helfer zeichnet sich dabei durch Offenheit, Einfühlungsvermögen und Wertschätzung gegenüber den Betroffenen aus. Gleichzeit bleiben die Helfer immer fest entschlossen, „im Zweifel für das Leben“ der Betroffenen zu handeln, da die freie Entscheidungsfähigkeit von Menschen in suizidalen Krisen medizinisch und juristisch zunächst einmal eher anzuzweifeln ist.
Gelingt es den Helfern, durch ihre sachkundige menschliche Intervention einen zeitlichen Aufschub des Suizidvorhabens mit den Betroffenen zu vereinbaren, ist schon viel gewonnen, da die Intensität von suizidalen Krisen im allgemeinen schon nach kurzer Zeit stark nachlässt. Bei erfolgreicher Krisenintervention im Sinne eines zeitlichen Aufschubs und Einleitung einer adäquaten Weiterversorgung distanzieren sich 70-80% aller Betroffenen nach 1-2 Tagen von ihrem Suizidvorhaben, nach 10 Tagen sind es 90-99%.
Der Referent ermutigte die Einsatzkräfte, sich im Vorfeld zunächst persönlich mit dem Thema Suizidalität auseinander zu setzen als Voraussetzung, um später im Einsatz einen hilfreichen Kontakt zu den betroffenen Menschen aufbauen zu können. Als nützliche Basisliteratur nannte er dabei z.B. die Bücher „Der Suizid – Ursachen, Warnsignale und Prävention“ von Thomas Bronisch und „Umgang mit suizidgefährdeten Menschen“ von Michael Eink und Horst Haltenhof.
Anschließend stand der Referent für die zahlreichen Fragen der Helferinnen und Helfer zur Verfügung. Neben dem DRK Wiesloch waren auch einige hauptamtliche Kollegen sowie Fachkräfte der Gruppe Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) unter den knapp 50 interessierten Zuhörern.